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Sagen Schulnoten etwas über die Intelligenz aus?
Schulnoten allein sind keine verlässliche Aussage über die Intelligenz eines Menschen. Und Intelligenz ist keine Garantie für ein gutes Zeugnis oder einen guten Schulabschluss.
Hinter diesen Aussagen steckt mehr als nur die Tatsache, dass während familiärer Krisen – Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung spielen oft eine Rolle – verständlicherweise die Konzentrationsfähigkeit und damit die schulische Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen sinken. Wem ginge das nicht so? Auch die Tatsache, dass in der Pubertät das Interesse an der Schule nachlässt – wer kann sich nicht an die eigenen Unsicherheiten und die erste Liebe erinnern? –, so dass die Noten nach unten purzeln, erklärt den Widerspruch zwischen Noten und Intelligenz noch nicht vollständig. Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen aber in diesen beiden Fällen versichern: Die Kids kriegen in aller Regel bei liebevoller Begleitung und unter der Voraussetzung, dass Schule und beide Elternteile zusammen statt gegeneinander arbeiten, rechtzeitig wieder die Kurve!
Hinter den Widersprüchen zwischen Schulzensur und Intelligenz steckt auch mehr als schiere Faulheit: »Ohne Fleiß kein Preis«, dieses alte Sprichwort ist für die meisten Kinder zutreffend. Fleiß macht oft mangelnde Begabung wett und trägt dann lang- und mittelfristig meist mehr zu besseren Noten oder gar zur Versetzung bei als schiere Begabung. Das beständige Ansammeln von Wissen, das Üben von Fähigkeiten und die daraus gewonnene Sicherheit in Prüfungssituationen sind ein vielfach erprobter Weg, der erfolgreich zum Ziel führt.
Die beiden genannten Ursachen schlechter Noten – Krisensituationen und Faulheit – sind bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass manchmal die Schulzensuren davon unabhängig geradezu irreführend sein können, wenn es um die Beurteilung der Intelligenz eines Kindes geht. Ein extremes Beispiel dafür sind die besonders Begabten, deren Noten oft das Potenzial in keiner Weise widerspiegeln: »Meine drei Kinder sind alle nachweislich hochbegabt getestet. Und die ›Dümmste‹ hat die besten Schulnoten«, sagte einmal halb lachend, halb weinend eine Mutter zu mir. Ich kannte alle drei Kinder und wusste, dass sie Recht hatte. Die Regelschule kann besonders begabte Kinder ohne besondere Maßnahmen nicht fördern. Sie langweilen sich, erhalten nicht genug Herausforderungen, schalten ab und müssen dann erleben, wie sie von den anderen überfügelt werden. Aber grundsätzlich wird in der Praxis immer wieder deutlich: Viele Faktoren sind für den schulischen Erfolg entscheidend: neben der intellektuellen Kapazität eines Kindes das richtige Lernen, ein stabiles Umfeld, ein unbelastetes Verhältnis zwischen Lehrendem und Lernendem. Auch eine intakte Klassengemeinschaft mit guter Lernatmosphäre ist ein wichtiger positiver Faktor für den Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen. Wenn alles gut läuft, dann können Zensuren auch die Begabung eines Kindes zutreffend widerspiegeln!
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